Am 21. März 2010, 11.00 Uhr veranstalte ich mit dem Galeristen Erwin Huber eine Vernissage mit den Fotografien von Sylvia Stadtmüller (www.wandwurf.de) in Nürtingen-Neckarhausen, Neckartailfinger Str. 5.
Die Fotokünstlerin Sylvia Stadtmüller beschäftigt sich mit experimenteller Fotografie als Ausdrucksform der Kunst. Die 32-Jährige nimmt Menschen, Landschaften, Gebäudeteile auf und fügt sie zu neuen Bildkompositionen zusammen. Autos fahren im Meer, eine Frau schwebt geisterhaft eine Bahnhofstreppe hinauf ,oder am Rande einer Gruppe aus Rehen fischt ein Miniaturangler. Oft erschließt sich dem Betrachter erst auf den zweiten Blick, welche Szenen die Mülheimerin miteinander verknüpft.
Michael Sudahl führte ein Interview mit Sylvia Stadtmüller:
Frau Stadtmüller, in Ihren Bildern verschwimmen verschiedene Orte und Zeiten miteinander. Warum?
Sylvia Stadtmüller: Die Dinge der Welt bewegen sich in einem stetigen Fluss, sind jedoch meiner Meinung nach über die Zeit miteinander verbunden. Um das zum Ausdruck zu bringen, füge ich verschiedene Kompositionen aus konträr verknüpften Situationen zu einer neuen Bildeinheit zusammen und erzeuge dadurch einen Spannungsbogen. Dieser wiederum verbindet verschiedene Zeit- und Stimmungsebenen miteinander.
Wie entstehen Ihre Bilder?
Stadtmüller: Ich reise seit ich ein Teenager bin um die Welt, habe alle Kontinente besucht. Auf diesen Reisen, aber auch im Alltag fotografiere ich. Menschen, Landschaften, Gebäudeteile, Möbel, Tiere und andere Dinge. Das ist der handwerkliche Teil meiner Arbeit. Gute Fotos sind die Grundlage. Es ist wie beim Backen, die Rohstoffe müssen einwandfrei sein, sonst schmeckt der Kuchen nicht. Irgendwann sitze ich in meinem Atelier und füge zusammen, was zusammen gehört. Das ist der kreative Teil. Dann entstehen meine Bildinterpretationen.
Sie wissen also in dem Moment, in dem Sie das Foto schießen, nicht, wie die spätere Bildkomposition aussieht?
Stadtmüller: Nein, ich habe keinen Plan im Kopf, wenn ich mit meiner Kamera losziehe. Ich bearbeite die Fotos auch nicht nach. Verkleinere oder vergrößere nichts. Manipuliere nicht mit Farb- oder anderen Filtern. Mein Ziel ist es, durch die Kombination und Überlagerung der Bildwelten aus unterschiedlichen Zeiten Collagen entstehen zu lassen, die in eine surreale Welt führen.
Wie würden sie Ihre Arbeiten charakterisieren?
Stadtmüller: Meine Art zu fotografieren und Dinge durch die Linse zu betrachten, ist provokant und melancholisch, naiv und bizarr zugleich. Ich habe nie den Anspruch auf absolute Perfektion. Vielmehr geht es mir darum, Stimmungen zu erzeugen und ein Bewusstsein für den Moment zu entwickeln.
Kommen wir zurück in die Realität: Können Sie von der Kunst leben?
Stadtmüller: Fotografieren und meine künstlerische Tätigkeit waren bisher ein Nebengewerbe – ökonomisch betrachtet. Seite Ende vergangenen Jahres bin ich selbständig und lebe von meinen Arbeiten.
Sie haben keine klassische Fotografen-Ausbildung oder ein Kunststudium gemacht.
Stadtmüller: Das ist richtig. Auch wenn ich damit nicht kokettieren will, aber ich bin das, was man eine Autodidaktin nennen würde. Ich habe, was ich tue, auch nie als Beruf gesehen, vielmehr als Berufung.
Zur Person
Sylvia Stadtmüller (Jahrgang 1977) ist in Koblenz geboren und fing bereits mit 13 Jahren an zu fotografieren. Die Tochter aus einer Arbeiterfamilie ist heute rund 100 Tage pro Jahr unterwegs auf der Suche nach Bildmotiven. Sie hat alle Kontinente bereist. Für die Bildkompositionen der Ausstellung war sie etwa in Mailand, Kuba und Bankog.
Die Fotokünstlerin Sylvia Stadtmüller beschäftigt sich mit experimenteller
Fotografie als Ausdrucksform der Kunst. Die 32-Jährige nimmt Menschen, Landschaften, Gebäudeteile auf und fügt sie zu neuen Bildkompositionen zusammen. Autos fahren im Meer, eine Frau schwebt geisterhaft eine Bahnhofstreppe hinauf ,oder am Rande einer Gruppe aus Rehen fischt ein Miniaturangler. Oft erschließt sich dem Betrachter erst auf den zweiten Blick, welche Szenen die Mülheimerin miteinander verknüpft.